Der
Grenzbeamte gibt sicherheitshalber seinem Vorgesetzten Bescheid und wir müssen
in die Zollabfertigungshalle zur genaueren Inspektion unserer Ladung.
"Jetzt kriegen wir Probleme", sage ich zu Reinhard, einem der anderen
Reiseteilnehmer. Zu diesem Zeitpunkt ahnt jedoch noch keiner, welche Probleme
wirklich auf uns zu kommen werden...
Um die mühselige Anfahrt nach Libyen zu kürzen, nehmen wir dieses Jahr einen Flug nach Djerba, der beliebten Urlaubsinsel im Süden Tunesiens. Von hier aus sind es nur noch etwa 120 km zur Libyschen Grenze, die wir mit zwei Taxis zurücklegen. Wir, das sind 10 Motorradfahrer, alle mit Sportmotorrädern ausgerüstet und voller Vorfreude auf die vor uns liegenden 3 Wochen Enduro-Urlaub in Libyen. Der Service-LKW, ein umgebauter MAN L2000 mit 4x4 Antrieb und 4O0PS starkem Motor, transportiert derweil unsere 10 Motorräder und einen Beifahrer. An der Grenze angekommen, beginnt der Stempel- und Papierkrieg. Doch richtig voran geht die Prozedur erst, nachdem wir den Libyschen Zöllnern drei unserer "Energydrink"-Kartons als "Trinkgeld" –im wörtlichen Sinn!- abgeben müssen. Auf einmal flutscht alles und in wenigen Minuten sind wir vom Zollhof. Trotzdem dauerten die ganzen Formalitäten für unsere 10 Personen gut 5 Stunden. Das liegt an den häufigen Teepausen der Zollbeamten, die genau eingehalten werden - in der Zwischenzeit steht natürlich keine Ablösung zur Bearbeitung der Visa und Fahrzeugpapiere zur Verfügung. Mit dem nun etwas leichteren Lastwagen verlassen wir den Schauplatz und mieten uns wieder zwei Taxis, um die restlichen 550km nach Darj zu fahren. Das kostet pro Person nur etwa 45DM und ist weit billiger als sich die Stollenreifen abzufahren, ganz zu schweigen vom verbrauchten Sprit und durchgefrorenen Motorrad-Fahrern, denn nach dem Sonnenuntergang wird es ungemütlich kalt; doch auch die Heizung unseres Autos funktioniert nur sehr schlecht. Um halb zwei Uhr morgens erreichen wir nach einigen Polizeikontrollen schließlich Darj, den Ausgangspunkt der ersten Pistenstrecke unserer Tour. Nach dem Abladen des LKWs werden trotz der fortgeschrittenen Stunde die Mopeds angekickt. Meine 98er Husqvarna TE610 verschafft sich als erste Gehör mit lhrem angenehmen, dumpfen Sound aus den beiden Aluminium-Endtöpfen. Derweil wird eine der E-Start KTM's noch mit dem Kickstarter bearbeitet, weil die Batterie schon leer georgelt war. Danach bauen wir unsere Zelte auf und schlafen auch rasch ein. Jeder ist heiß auf das grenzenlose Enduro fahren hier in der Libyschen Wüste.

Foto: Reinhard Maier
Der recht frische Morgen (knapp über dem Gefrierpunkt)
läßt das Aufstehen etwas länger dauern, bis die Sonne am Himmel steht und uns
etwas wärmt. Nach einem kurzen Check der Motorräder verlassen wir den
Lagerplatz und brechen auf in Richtung Idri. Vorher werden im nahen Darji noch
Kraftstoff für Lastwagen und Motorräder, sowie Wasser und Brot besorgt.
Gemüse war leider im ganzen Ort nicht zu bekommen. Die ersten Kilometer der Piste sind nach der Winterpause
ideal zum Warmfahren. Lange Ebenen wechseln sich ab mit einigen Querrillen, die
durch Auswaschungen entstanden sind, den sogenannten Queds. Hier werden auch
gleich die ersten Brezen (Stürze) gebaut, die jedoch noch alle glimpflich
verlaufen.
Doch schon nach etwa zwei Stunden Fahrt müssen wir das
Nachtlager aufschlagen, weil der Trinkwassertank im LKW durch die straffe
Fahrweise etwas aus der Verankerung sprang und bei dieser Gelegenheit so mancher
unterhalb gelagerte Schlafsack schön naß wurde. Die Sonne und der Wind
trocknen jedoch die Schlafsäcke wieder bis zum Abend. Auch mein GPS versagt den
Dienst wegen einer abvibrierten Speicherbatterie. Die Husky schüttelt halt
doch zuviel für derart empfindliche Elektronik. Ich löte die Speicherbatterie
wieder an und fixiere sie mit viel Heißkleber. Die verlorenen Daten kann ich
mir von Reinhards GPS Gerät mit Hilfe eines selbstgebastelten Daten-Kabels
überspielen. Einen Tag vorher hatte ich glücklicherweise sein GPS-Gerät mit
all meinen Daten gefüttert.

Am nächsten Tag fahren wir wieder die lange Kies-Ebene
weiter und gegen Mittag kassiere ich den ersten Plattfuß. Mit etwas zu hohem
Tempo bin ich über einen größeren Brocken gefahren, den ich wohl übersehen
hatte. Gut, daß der Lastwagen nur etwas über 1 Kilometer hinter uns ist, so
dass der Schlauch an der schadhaften Stelle aus dem Mantel gezogen werden kann
um die zwei fingergroßen Löcher mit Flicken zu kleben. Weiter geht´s in
Richtung ldri. Am Nachmittag finden wir eine abgestellte Toilettenschüssel
mitten in der Wüste. Sollte das ein Omen sein? Jedenfalls quittiert kurz darauf
Reinhards XR den Dienst. Diagnose: Zündung defekt.
Am Abend erreichen wir die ersten Sanddünen und alle
fahren völlig losgelöst in den relativ niedrigen Dünen umher. Ich messe an
Reinhards XR herum. Die Zündungswicklung seiner Lichtmaschine hat einen fast
doppelt so hohen Widerstandswerk wie die Wicklung von Georgs XR. Das lässt auf
eine Unterbrechung schließen.
Am folgenden Morgen springt die XR zunächst wieder an,
läuft aber nur kurze Zeit. Wir messen erneut die Wicklung bei heißem Motor und
stellen fest: Der Wert ist weit höher als gestern abend: Durch die Wärme
bedingt dehnt sich die Wicklung aus und die Unterbrechung der Spule wird
größer.
Da ist momentan nichts zu machen, die XR muß mitsamt dem
Fahrer auf den LKW. Gegen Mittag beginnt auch noch Stefans KTM zu stottern. Auch
dieses Motorrad müssen wir aufladen, wir werden uns dem Problem am Abend
stellen. Kurz darauf versinkt der LKW in einem tückischen kleinen Dünenhain.
Gut einen Meter tief stecken die Räder im nassen Sand fest. Aber zu zehnt mit
zwei Schaufeln werden in Schichtarbeit die Räder in kurzer Zeit ausgegraben.
Mit untergelegten Sandblechen und Biertischen befreit sich der Man L2000 aus
seiner verfahrenen Situation.
Respektable Dünen in einem mit Palmen bewachsenen Tal
bieten uns eine gute Übernachtungsmöglichkeit mit windgeschützten
Stellplätzen und verdorrten Palmwedeln als Feuerholz. Nach der ausgedehnten
Buddelei und den notwendigen lnstandsetzungsarbeiten an den Motorrädern sind
ohnehin alle froh, das Lager aufbauen zu können.
Jetzt beginnt der technische Dienst an Reinhards XR. Nach
dem Ausbauen der Lichtmaschine ist klar: Die Zündungswicklung ist irreparabel.
Weil Georg aber einen kompletten Reserve-Motor dabei hat, gibt er Reinhard die
Lichtmaschine daraus. Kurz darauf ertönt die XR mit dem gewohnten Klang. Glück
gehabt, sonst hätte unser Reinhard bereits nach dem dritten Fahrtag den Rest
der Reise auf dem LKW mitfahren müssen. Auch die KTM wird untersucht, und
bereits nach dem Tausch der Zündkerze und dem Reinigen des Luftfilters läuft
das Moped wieder einwandfrei. Sollte das alles gewesen sein? Wir sind etwas
skeptisch, bauen aber die Kati wieder zusammen. Auch meine Husky benötigt einen
Luftfiltertausch und ein neues Radlager im Hinterrad. Da ich das etwas größere
Spiel des Lagers schon Zuhause erkannte, war natürlich ein neuer Satz in der
Ersatzteilkiste mit auf die Reise gegangen. Nach einer halben Stunde Iäuft das
Hinterrad wieder spielfrei. So können morgen früh wieder alle Motorräder ins
"Rennen" gehen.
Am nächsten Morgen brechen wir bereits vor 10Uhr auf,
denn die Strecke nach Idri ist noch weit und unser Wasservorrat ist durch die
Leckage doch empfindlich geschrumpft. Aber schon nach zwei Stunden laden wir
erneut Stefans KTM auf den LKW weil der Motor unter Last kein Gas mehr annimmt.
Nur wenig später gesellt sich auch wieder Reinhards Honda dazu. Aber diesmal
ist ein unsinniger Luftfiltertausch im Dünenfeld bei starkem Wind daran schuld.
Der Vergaser bekommt dabei Sand ab und der Schieber klemmt nun auf Vollgas.
Deshalb darf Reinhard auch heute wieder im Lastwagen mitfahren. So geht uns
wenigstens am Abend die Arbeit nicht aus. Die Route führt uns über einen
ausgetrockneten Salzsee und weiter durch einen Dünengürtel hinaus zur
Rohöl-Pipeline. Dieser folgen wir bis zur Abzweigung nach Idri. Eine wahre
Freude: Ebenes Sandgelände unter den Stollen zu spüren und mit gut 120 km/h
über diese topfebene Piste zu rauschen. Das ständige Auftanken der Mopeds und
kleinere Reparaturen verzögern jedoch die Fahrt, so daß wir später gezwungen
sind, noch einmal in den Dünen zu campen. Am Abend zerlege ich Reinhards
Vergaser und reinige alles vom eingedrungen Sand. Gleich am Morgen schauen wir
überrascht aus den Zelten. Zwei Hirten ziehen mit einer Kamelherde vorbei. Die
Tiere verweilen neugierig zwischen den Motorrädern und Zelten. Eines der Kamele
ist vom Anblick von Georgs Honda XR derart angetan, daß es ganz ungeniert
direkt neben das Moped einen großen Haufen Kameldung plaziert. 11 Leute grinsen
und einer schaut grimmig drein. Einer der beiden Hirten zeigt uns seinen wunden
Fuß und wird daraufhin von Martin mit Salbe und einem Verband behandelt.
Freundlich verabschieden sich die beiden Hirten und auch wir sehen zu, daß wir
unser Nachtlager abbauen. Am späten Vormittag kommt nach dem Umfahren eines
feuchten Chotts eine große Düne in Sicht. Natürlich müssen wir da unbedingt
hinauf mit den Motorrädern. Die Düne hat eine Höhe von gut 150 Metern, wie
unser Höhenmesser beweist. Nur die beiden XR Fahrer bleiben unten. Dem einen
ist die Düne doch etwas zu steil und der andere hat wieder einmal Probleme mit
seiner Motorleistung. Meinen letztjährigen Erfahrungen wäre diese Düne mit
einer XR ohnehin nicht zu schaffen, dazu hat der Motor einfach zu wenig Dampf.
Die Husky glänzt hier mit kompromisslosem Handling und souveräner
Motorleistung trotz langer Übersetzung.
Man muß direkt aufpassen. um nicht
oben über den Dünenkamm hinaus zu schießen. Endlich in Idri angekommen melden
wir uns wie vorgeschrieben bei der Polizei und bei der Einwanderungsbehörde.
Hier werden Stempel und Klebemarken in den Paß geklebt. Das alles kostet
natürlich wieder Geld. Diesmal aber nur rund acht Mark pro Person. lm Vergleich
zu den 400 Mark, die man bei der Einreise für Carnet und Versicherug sowie
Nummernschild bezahlen muss, ist das ja geschenkt! Leider benötigt der Beamte
für unsere 12 Pässe gut eineinhalb Stunden, so daß es bereits wieder dunkel
ist, ehe wir aus der Ortschaft heraus in Richtung Ubari fahren. In der Dunkelheit suchen wir uns dann einen geeigneten Lagerplatz.
Nach einer eisigen Nacht folgt ein sonniger Morgen und
rasch bauen wir unser Lager ab, denn jetzt kommen nur noch Dünen, Dünen und
nochmals Dünen!
Immer wieder erscheinen neue Sandformationen: Ein etwa 200
Meter im Radius messender Trichter eröffnet sich vor uns und wir haben viel
Spaß dabei, auf den schräg abfallenden Steilkurven rund um den Trichter zu
fahren. Aber wir müssen schließlich weiter, in Richtung Ubari. Kurz darauf,
als wir von einem höheren Dünengürtel talwärts fahren, bleiben Stefan und
Rainer etwas weiter zurück. Plötzlich ist nichts von den beiden zu sehen, als
wir auf einer Anhöhe auf sie warten. Da erscheint Rainer wild winkend auf einem
Sandhügel. Da muß etwas passiert sein! Wir kehren um und fahren zu Rainer
zurück. Was wir dann zu sehen bekommen, lässt uns den Atem stocken: Stefan ist
bei der Abfahrt von einer etwa 8 Meter hohen Kante gestürzt und liegt reglos im
Sand. Jürgen beginnt sofort, den Puls zu fühlen. Nichts! Auch ich versuche
Stefans Puls zu fühlen, aber auch ohne Erfolg. Vorsichtig nehmen wir ihm den
Helm vom Kopf und Jürgen beginnt mit der Mund-zu-Mund Beatmung. Derweil schicke
ich unseren Gas-Gas Fahrer Martin weg um den LKW einzuholen und hierher zu
lotsen. Rainer erzählt uns, wie das Unglück geschah: Stefan fuhr hinter Ihm
her. Drei seichte Mulden folgten hintereinander, als sich plötzlich hinter dem
darauffolgenden Hügel diese 8 Meter tiefe Furche auftat. Aus einiger Entfernung
nicht zu erkennen! Rainer bremste noch und als er in dieser Grube zum Stehen
kam, drehte er sich nach Stefan um. Just in diesem Moment sah er Stefan von der
oberen Kante abheben und erst ganz unten im ebenen Teil des Grabens aufschlagen.
Das Motorrad überschlug sich und Stefan lag darunter... Vermutlich hatte Stefan
die Furche nicht gesehen. Wurde er von der Sonne geblendet oder hatte er sich
kurz umgedreht, wer weiß.
Jürgen beatmet Stefan immer noch, aber bisher ohne Erfolg.
Franz und Rainer, Stefans Freunde, stehen unter Schock. Sie werden in den
Schatten des inzwischen angekommenen LKWs verfrachtet und so gut es geht,
betreut. Nach einer Viertelstunde hört Jürgen mit der Beatmung auf und ich
mache weiter damit. Aber Stefans Körper fühlt sich sehr kalt an und es ist
immer noch kein Puls zu spüren. Tief betroffen legen wir Ihn kurz darauf in
seinen Schlafsack und dann in den LKW. Wir vermuten einen Genickbruch. Die
Unfallstelle wird fotografiert und per GPS die Position erfaßt. Wir müssen die
drei Motorräder später abholen, Franz und Rainer sind jetzt nicht in der Lage,
Motorrad zu fahren. Zweieinhalb Stunden benötigen wir noch bis Ubari. Wie eine
Ewigkeit kommt mir diese Zeit vor. Jede Abfahrt über eine Dünenkante, die noch
vor einer halben Stunde Spaß machte, ist jetzt ein Alptraum. Ich muß mich sehr
konzentrieren, um auf die Strecke zu schauen, anstatt an das geschehene Unglück
zu denken. Endlich erreichen wir Ubari. Wir kommen an einem alten Italienischen
Fort vorbei, das jetzt eine einfache Touristenunterkunft ist. Der Besitzer war
schon in Telefonkontakt mit unserem Veranstalter. Zögernd bespricht nun Martin
den Vorfall und die weitere Vorgehensweise mit dem Besitzer der Anlage. Kurz
darauf fährt Martin dann mit dem LKW und Rainer sowie einem libyschen Helfer
zur Polizei um den Vorfall zu melden. Wir verbleiben derweil in der Unterkunft
und spekulieren über die Unglücksursache. Am Abend kommt Martin zurück und
berichtet uns, dass auch der Arzt einen Genickbruch bei Stefan festgestellt hat.
Für mich ist der Urlaubsspaß damit beendet. Nach so einem Vorfall kann man
nicht einfach weiterfahren und so tun, als ob nichts geschehen wäre. Jedenfalls
ist mir die Lust aufs Motorrad fahren gründlich vergangen. Am Abend diskutieren
wir deshalb über das Für und Wider eines Reiseabbruchs. Nur einer will noch
weiterfahren.
Doch schon am nächsten Morgen will auch Georg
weiterfahren. Martin, unser Veranstalter, muss die Reise durchführen,
andernfalls muss er den Teilnehmern die nicht abbrechen wollen, einen Teil des
Reisepreises zurückerstatten. Später am Tag wird nochmals zur Unfallstelle
gefahren, um die Motorräder zu holen. Auch die Polizei fährt mit einem
altersschwachen Geländewagen mit um die Stelle zu sehen. Dort angekommen
interessieren sich die Polizisten aber viel mehr für einen abgestorbenen
Baumstumpf, der als Feuerholz für die Teezubereitung mitgenommen wird. Die
Formalitäten sind damit erledigt. Bleibt noch zu erwähnen, daß die
Polizeibeamten mit Ihrem Auto zweimal hängen bleiben, vom LKW dann befreit
werden, der Kühler des Poiizeijeeps derart leckt, dass er dauernd mit Wasser
aus dem LKW versorgt werden muß. Hauptsache, es ist wieder Feuerholz im
Polizeigebäude für den täglichen Tee...
Nach etlichen Telefonaten mit der Deutschen Botschaft in
Tripolis fahren wir einen Tag später zu sechst in einem Taxi zurück nach
Djerba zum Flughafen. Man gibt uns aber erst unsere Ausweise, nachdem
sichergestellt ist, wer für die Krankenhauskosten etc. aufkommt. Zuvor müssen
wir 800 Mark für eine "Luxusunterkunft" bezahlen, in der wir zweimal
übernachten durften. Wenigsten ist das Abendessen für je 15 Mark mit
inbegriffen, das aus einem Teller Nudeln und einem kleinem Salat bestand. Auch
das bestellte Taxi ist mit 800 Libyschen Dinar (etwa 860 Mark) mehr als teuer,
denn das Auto ist wohl keine 300 Mark mehr wert. Der Benzintank leckt, wenn man
mehr als 33 Liter einfüllt und der Fahrer raucht gemütlich Zigaretten. Wir
sitzen wie auf einer Zeitbombe... 
Aber der Preis wurde von unserem "Gastgeber", dem Vermieter der Luxusunterkunft, festgelegt und der wollte ja schließlich auch etwas daran verdienen. Nun sitzen wir also zu sechst plus Fahrer in einem alten Peugeot Taxi. Man verspricht uns das Auto zu wechseln gegen ein schnelleres und neueres Fahrzeug im 200 Kilometer entfernten Sebha. Nach ein paar Stunden Fahrt bekommen wir dort statt dessen noch einen Freund des Taxifahrers mit ins Auto, der vermutlich auch in den Norden hoch muß. Nun wird's eng. Immerhin sind wir zu Acht plus dem notwendigsten Gepäck und Verpflegung, die wir aus dem LKW mitgenommen haben. Die Flüge sind umgebucht um eine Woche und nun müssen wir es nur noch schaffen, bis Montag abend in Djerba zu sein. Heute ist erst Mittwoch.
Bis Mitternacht sitzen wir in dieser Sardinenbüchse von einem Taxi. Zwischendurch bleiben wir ein paar Mal stehen, um insgesamt 10 Liter Wasser in den Kühler nach zu schütten. Kurzerhand wird dann eine Paprika Gewürzmischung in den Kühler geschüttet, die das Leck abdichten soll. Endlich schlagen wir die Zelte auf. Aber schon um Sieben Uhr morgens steht der Taxifahrer vor dem Zelt und hupt uns aus dem Schlaf. Eilig habe er es, gibt er uns mit Gebärden zu verstehen. Da wir kein Französisch oder Arabisch sprechen und er weder Deutsch noch Englisch, ist eine Kommunikation sehr schwierig. Egal, es sind ja nur noch etwa 600 Kilometer bis Djerba. Dummerweise quittiert das Getriebe das altersschwachen Autos im Laufe des Vormittags den Dienst. Unser freundlicher Taxifahrer gibt den vorbeifahrenden Busfahrern zu verstehen, daß uns keiner mitnehmen soll, weil wir Ihm sein Geld noch nicht gegeben haben. Wie könnten wir auch! Nur noch mit DM gesegnet, die wir aufgrund des ungünstigen Innlads-Tauschkurses erst auf der Tunesischen Seite in Libysche Dinare tauschen wollen, sind wir zahlungsunfähig. Ein anderes Taxi wird organisiert, das uns bis in die nächste Ortschaft bringt. Dort handelt unser Fahrer mit einem weiteren Taxi Chauffeur um den Fahrpreis und etwas später fahren wir mit einem "neuen" alten Taxi weiter in Richtung Küste. Dieser Wagen wird uns nach Djerba fahren, gibt man uns zu verstehen. An der Ortsgrenze werden wir wieder von einem Polizisten kontroliiert und müssen daraufhin zur lokalen Einwanderungsbehörde. Hier werden wir wieder einmal erkennungsdienstlich erfasst. Nach dem Grund unserer Taxireise und dem Verbleib der Motorräder wird gefragt. Um nicht noch länger aufgehalten zu werden, geben wir den wahren Grund unserer Rückreise nicht an. Denn die ganze Sache den Beamten hier zu erklären würde zu lange dauern. Endlich dürfen wir weiterfahren, nachdem ich erwähne, dass wir einen Flug nach Deutschland erwischen müssen. Eine ganze Weile fahren wir in Richtung Küste, wenn auch nicht sehr flott. Aber Hauptsache, wir fahren überhaupt. Doch in Zuawara, einer Stadt an der Küste, stehen wir vor einem neuen Problem: Unser Chauffeur eröffnet uns plötzlich, daß er uns aus irgendwelchen Gründen nicht über die Grenze bringen kann. Und wir sagen Ihm, daß wir erst auf der Tunesischen Seite bezahlen können. Wieder macht die Sprachbarriere ein vernünftiges Verhandeln unmöglich. Zufällig kommen aber zwei ältere Herrschaften vorbei. Der eine spricht perfekt Englisch, der andere fragt uns in einwandfreiem Deutsch, ob er uns helfen kann. Mit Hilfe dieses Mannes kommen wir endlich auf einen Nenner: Der Taxifahrer nimmt am Ende unsere D-Mark und fährt uns genau bis zum Grenzübergang. Weil er uns nicht bis Djerba fährt, bekommt er auch nur 650 DM anstatt 800 Dinar. Nach gut eineinhalb Tagen ununterbrochener Fahrt in engen Taxis erreichen wir endlich gegen Abend die Grenze und lassen die Formalitäten über uns ergehen. Verwundert werden wir gefragt, ob wir keine Fahrzeuge dabei hätten. Aber wir winken ab und sagen, daß wir nur mit dem Rucksack unterwegs sind. Nach einer Nacht in einem schmuddeligen Hotel in Ben Guerdane erreichen wir gegen Freitag Mittag endlich Djerba. Drei Tage später steigen in wir das Flugzeug ein, das uns nach München zurückbringt. Eine Woche früher als geplant sind wir zwar wieder zuhause, doch unsere Gedanken sind immer noch bei Stefan in der libyschen Sahara.

Foto: Reinhard Maier
Christian Frankl